Gescheiterte PROJEKTE- Der Änderungsdruck in den Unternehmen muss bewältigt werden, aber wie?

Samstag, 27.11.2010 - 07:24 Uhr

Immer effizienter, immer produktiver, immer schneller

Für viele Unternehmen steigt der Wettbewerbsdruck und dies gilt für Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen. Geschäftsmodelle kommen in die Jahre. Renovierungen und Ergänzungen dieser Modelle sind erforderlich und oftmals reicht dies nicht aus: Um Zukunft zu gewinnen, sind dann neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu implementieren. Erfolgsfaktoren der Vergangenheit mögen heute noch Bedeutung haben. Morgen mag es anders aussehen. Operative Hektik steht auf der Tagesordnung und zudem sind strategische Themen zu bearbeiten, strategische Initiativen zu starten und zu implementieren.

Hektik, Stress, Burnout- Oder Alternativ hierzu: Aufsetzen von Projekten als universeller Lösungsansatz. Gut gedacht, aber zu kurz gesprungen.

Betrachtet man nämlich die Erfolgswahrscheinlichkeit von Projekten, die Wahrscheinlichkeit also, dass der geplante und vereinbarte Erfolg im Rahmen eines Projekte realisiert wird, so ist diese eher gering. So sollen nur 20 % der Change Projekte erfolgreich abgeschlossen werden, bei anderen Projekten mag der Prozentsatz höher liegen. Klar ist aber auch: Selbst bei nicht so „harter“ Messung besteht häufig eine erhebliche Abweichung zwischen Projektziel und Projektergebnis. Das ist die traurige Realität der Projektarbeit: Sei es, dass Projekte aus dem Budget laufen und daher die vereinbarten Returns nicht realisiert werden, sei es dass erhebliche Verzögerungen die weiteren Unternehmensentwicklungen verlangsamen. Sei es, dass Projekte wegen ausbleibender Erfolge abgebrochen werden.

Häufig scheitern Projekte. Das ist die wahrgenommene Situation vieler und damit Realität. Perception is reality.

Stimmen Sie dieser Sicht zu?
Welche Gründe für das Scheitern von Projekten sehen Sie? Ihre Erfahrungen?

Kategorie: Change, Change management 4 Kommentare »

4 Reaktionen zu “Gescheiterte PROJEKTE- Der Änderungsdruck in den Unternehmen muss bewältigt werden, aber wie?”

  1. Marco Irmscher

    Hallo Herr Stiegler,

    den Trend zu den Projekten, der aus immer schneller effizienter und produktiver als globale Zielsetzung besteht, sehe ich auch. Aber gerade in der ungenauen Zielsetzung und Abstimmung mit den priorisierten Unternehmenszielen sehe ich eine entscheidende Gefahr für das Scheitern vieler Projekte.
    Ein Projekt – und das gilt aus meiner Sicht nicht nur für diese mit IT-Bezug – sollte eine klare, überschaubare und messbare Zielsetzung haben. Nach meiner Beobachtung scheitern gerade die Projekte, bei denen zu wenig Kapazität in die Konzeptphase gesteckt wurde. Projekte sollten im Übrigen auch keine Laufzeit von mehr als einem Jahr haben. Hier besteht sonst die Gefahr, dass die klare Orientierung auf das Projekt verloren geht – es hat ja noch lange Zeit…
    Außerdem sollten Projekte klar priorisiert sein – nicht alles auf einmal, was den Führungskräften eines Unternehmens wichtig ist. Hier ist Augenmaß und Selbstdisziplin gefragt.
    Alle Projektmanagement-Tools und Projektmanagement-Methoden behandeln diese Erfolgsfaktoren mehr oder weniger intensiv. Allerdings scheint die Praxis mehr Augenmerk auf die Tools anstatt auf die Methoden zu legen.
    Und welche ist nun die richtige Methode? Aus meiner Praxis gibt es keine allgemein gültige Antwort. Die grundlegenden Phasen eines Projektes sollten durchlaufen werden. Methode und Tool sind hierbei vom jeweiligen Unternehmen und Projekt abhängig. Als wichtiger Erfolgsfaktor reicht es, wenn die Grundlagen eines Projektes, wie planen – messen – kontrollieren – einführen eingehalten werden und Projekte in Teilaufgaben, gemessen an der Unternehmensstrategie entsprechend priorisiert abgearbeitet werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Marco Irmscher
    Leiter Prozessorganisation/IT

  2. christian christ

    hmmm, es fängt am mit…..der änderungsdruck muss bewältigt werden….! warum eingentlich muss?
    ist damit nicht ein erster aspekt schon genannt für chancen des erfolges? druck als grundlage für freudiges und begeistertes ändern? hmmm, klar wenn wir geschäft machen wollen, dann muss man den druck ausüben, und aushalten! ja, klar, ist ja sehr ähnlich schon dem entwachsen des kindergartens, spielen ist zu ende, nun fängt schule an, der ernst des lebens. und dann soll diese erste gravierende veränderung mit freude und begeisterung angegangen werden?
    wer hat denn wirklich schon lust auf “sie müssen”?
    wer ist denn als leader schon so ausgebildet, dass er seine mannschaft für den wandel emotional begeistern kann?
    welcher change agents ist so “bedenkenbefreit” dass er weiss wohin das top management will?

    mag sein, dass die mittlere führungsebene, also die ver-mittler der botschaften des managements, rational die veränderung in der organisation und die nötigen prozesse fachlich und methodisch verstehen, sind sie denn auch “befürchtungsbefreit” gegenüber persönlichen potentiellen konsequenzen für ihren job? haben sie denn genug “berufliche zivilcourage” nach und von oben genug klarheit zu erfragen und klarheit zu geben?
    ist diese ebene denn persönlich und sozial (gleichwertig zu den rationalen fähigkeiten) mit der emotionalen intelligenz ausgestattet um als implementoren und als multiplikatoren die eigenen mitarbeiter zu begeistern, zweifel und ängste in zuversicht zu wandel?

    nun, meine erfahrungen sind ganz individuell. und dies ist auch die antwort, es ist nötig, unmissverständliche klarheit zur ausrichtung des unternehmens innerhalb des top management teams zu haben, daraus klarheit zur strategischen initiative, klarheit bezüglich der korrespondierenden rationalen managementachse (organisation, plan, prozesse) klarheit und !wahrnehmung! zur kreuzenden emotionalen business enabler achse (menschen und kulturelles enviroment).
    wenn die am schnittpunkt befindlichen massnahmen in ausgewogenheit sowohl das rationale (fach- und methodenkompetenz) bedient, als auch das emotionale (menschen und kultur) dann ist die chance für weitgehend “abgerundete” erfolgsaussichten gegeben.
    also top management erkennt bitte:
    persönlichkeitsentwicklung ist unternehmensentwicklung,
    entwicklung der mittleren führung zu change agents, multiplikatoren implementoren,
    der ort der veränderung (change) ist das mittlere management,
    kernaufgabe neben den prozessen und der planung ist begeisterung für den wandel zu entfachen, getragen von der fähigkeit, individuelle bedenken, zweifeln und befürchtungen in zuversicht zu transferieren.
    dies ist dann gelebter leadership.

  3. tStiegler

    Hallo Herr Irmscher, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich denke in Zeiten mit dramatischen Änderungen kommt Projekten eine zunehmende Bedeutung zu. Die Frage, wie kann das Scheitern von Projekten verhindert werden ist daher sehr wichtig.

    Beste Grüße
    Thomas Stiegler

  4. Thomas Reich

    Sehr geehrter Herr Stiegler,
    sicher kann das Scheitern von Projekten verhindert werden. Die Lösung ist sogar sehr einfach – nur in der Umsetzung schwierig – weil sie die entsprechende Reflexion der Führungskräfte voraussetzt. Oft stellt der Projektmanager eine Abweichung erst fest, wenn diese schon über längere Zeit “unterschwellig” wirkt. Meine Erfahrung ist, dass genau der Umgang mit diesem “unterschwellig Wirkenden” das Handeln der Beteiligten und damit den Erfolg in der Sache, maßgeblich bestimmt. Führungskräfte, die z.B. die Fähigkeit des aktiven Zuhörens, wertschätzender Kommunikation und anderer persönlicher Kompetenzen beherrschen, lösen solche Störungen in den Beziehungen der Beteiligten, unmittelbar, bei ihrer Entstehung auf. Sie vermeiden, dass eine solche Störung zu einem Streit eskaliert. Der Aufwand für solche Interventionen liegt im Bereich von Sekunden und Minuten! Der Aufwand, eine Störung zu beheben die eskalierte liegt dagegen oft genug bei Tagen oder Wochen, ohne dass dabei die Zeit und Schaden berücksichtigt ist, der bis zur Klärung eingetreten ist.
    Nur werden diese Kompetenzen nicht, oder nur in zu geringem Umfang vermittelt. Vielleicht hilft aber ein Blog wie dieser, mehr Aufmerksamkeit auf die Führungsaufgaben im Management zu richten und die klassischen Verwaltungssysteme (für Projektressourcen) mit Führungskompetenzen zu ergänzen. (Bei Interesse stelle ich gern entsprechende Projekt-/Fallbeschrei-bungen zur Verfügung.)
    Ich wüsche Ihnen einen schönes Wochenende.
    Mit freundlichen Grüßen
    THomas Reich