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Krise – Da gibt es Unterschiede

16. April 2010 - 07:20 Uhr

Die Koordinaten in der Weltwirtschaft verschieben sich und damit die regionalen Gewichte in der Welt. Die Veränderung von Absatz und Beschaffungsmärkten ist nicht nur in den europäischen Heimatmärkten, sondern auch in denen der aufstrebenden asiatischen Märkte zu spüren. Die Geschwindigkeit der Veränderung steigt und wird eine neue Qualität erlangen. Längst ist China nicht nur Lieferant von „billigen“ Waren und Indien der Provider „einfacher“ Dienstleistungen. Vielmehr gilt:
• die chinesische Hightech-Produktion und der Export von Hightech-Produkten nehmen zu
• und die Erstellung komplexer Dienstleistungen in Indien gewinnt an Bedeutung.

Die chinesische Wirtschaft wächst rasant , die indische ebenfalls. Wie das Handelsblatt am 12.04.2010 berichtete, betragen die Wachstumsraten in Q1 für China 9,7% Prozent und für Indien 8,2% Prozent. Erstaunlich ist auf den ersten Blick die Stabilität dieser Entwicklung, zumindest scheint uns dies in Europa zu überraschen. Ins Bild passen da auch die spektakulären Wachstumsraten von Singapur (32% in Q1) – und auch die sind nicht Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Ausrichtung

In einem Bericht des Handels- und Industrieministeriums von Singapur wird umfassend beschrieben, welches Selbstverständnis der Stadtstaat hat und das hat Charme:

Singapur sieht sich in einer „globalised economy where Singapore is the key node in the global network, linked to all the major economies“, definiert sich als
„a creative and entrepreneurial nation willing to take risks to create fresh businesses and blaze new paths to success“ und strebt
„a diversified economy powered by the twin engines of manufacturing and services, where vibrant Singapore companies complement MNCs, and new startups co-exist with traditional businesses exploiting new and innovative ideas“ an.

China, Indien, Singapur – und natürlich auch andere: All dies hat für europäische Unternehmen strategische Bedeutung – nach wie vor, und zunehmend. Die Dynamik, die Energie, den Willen zu wirtschaftlichem Erfolg – all das ist spürbar in Städten, die ich in den letzten Jahren auf Geschäftsreisen gesehen habe: Taipeh, Hongkong, Shanghai, Singapur. Und nicht nur in den Städten, auch an den Verhandlungstischen .

„Um zu begreifen, wie diese neue Welt aussehen wird, sollten mehr Westler asiatische Städte besuchen“, resümiert Kishore Mahbubani in seinem Buch „Die Rückkehr Asiens- Das Ende der Westlichen Dominanz“. Dem kann ich nur zustimmen.

Die wirtschaftliche Dynamik ist selbsttragend, geprägt von dem Willen breiter Schichten, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation zum Besseren zu verändern. Und wesentliche Einflussfaktoren sind Zustimmung und Begeisterung für diese Innovationen.

Wie John Kao in seinem Buch schreibt, muss die „Landkarte der Innovation“ überarbeitet werden. Denn längst sind die Ressourcen Geld und Wissen anders verteilt als im letzten Jahrtausend. Und dies zu verstehen ist eine politische Herausforderung, aber auch eine unternehmerische.

Thomas Stiegler

Internet Links:

1. Zur aktuellen Entwicklung Chinas

2. Zur aktuellen Entwicklung Indiens

3. Zur aktuellen Entwicklung Singapurs

Literaturtipp:
1. „Die Rückkehr Asiens“ beschreibt den Wandlungsprozess aus Sicht von „Asian Eyes“, hochanalytisch, durchaus wertend, in jedem Fall lesenswert

2. In „Innovation“
analysiert John Kao die Innovationslage der Weltregionen und entwickelt Vorschläge für ein Programm zur Steigerung der Innovationsfähigkeit

3. Und hier ein Klassiker, mit vielen Beispielen: Thomas L. Friedman, „Die Welt ist flach“

4. Und gleich noch ein Klassiker – allerdings sind hier das „Geschisterle“, das Internet und die sich daraus ergebenden Folgen Hauptthema des Buches: „Wikinomics: Die Revolution im Netz“ (Taschenbuch) von Don Tapscott (Autor), Anthony D. Williams

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