Standortbestimmung

Dienstag, 18.05.2010 - 15:25 Uhr

Stimmungsbild

„In der Wirtschaft herrscht eine merkwürdige Stimmung. Die Staatsschuldenkrise produziert so katastrophale Schlagzeilen, als stünde die Welt vor dem Untergang. Gleichzeitig häufen sich optimistische Meldungen, die den Eindruck erwecken, es habe die üble Finanzkrise nie gegeben, die 2008 begann und danach die halbe Weltwirtschaft in einen Abwärtsstrudel riss. Ein deutsches Mini-Wachstum von 0,2 Prozent im ersten Quartal wird bereits zur Erfolgsbotschaft hochstilisiert. Viele Firmenchefs sprechen inzwischen vom Jahr eins nach der Krise, als stünde der neue Aufschwung vor der Tür und als sei das konjunkturelle Grauen der vergangenen 24 Monate schon weit zurückliegende Historie“, so schreibt Büschmann in der Süddeutschen Zeitung.

Die Krise ist noch nicht vorbei

Naivität und die „Alles wird Gut – die Finanzkrise ist vorbei“-Einstellung helfen genauso wenig wie eine Fixierung auf konjunkturelle und strukturelle Verwerfungen, die klassische „Ob das wieder werden kann?“-Mentalität.

Was heißt das für Unternehmen? Die zentrale Herausforderung ist es, Unternehmen zukunftsfest zu machen: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Agilität müssen gesteigert werden, Liquidität ist zu sichern. Maßnahmen von strategischer Dimension bedürfen der Umsetzung. Die Profitabilität bedarf der Beobachtung. Die Frage lautet hier: Wirken die Maßnahmen zur Kostensenkung im gewünschten Ausmaß?. Denn ohne ausreichende Gewinne wird die zukünftige Finanzierung der Geschäfte immer schwieriger. Innovationen müssen her. Bei unzureichender Innovationskraft eines Unternehmens ist seine Marktstellung kritisch zu beleuchten. Entscheidend ist: Hält das Geschäftsmodell?

Durchstarten heißt, mit klarem Konzept verschiedene Themen zu bewältigen und zwar gleichzeitig. Das bedeutet auch: Keine Paralyse durch die Analyse. Ohne Analyse und nur mit „Bauchgefühl“ wird es allerdings auch nicht funktionieren.

Beim Autofahren ist das klar:
Lenken und Steuern alleine reicht nicht – man muss schon wissen, wo man hin will.

Ein Navigationssystem muss her, um von einem Standort A zu einem möglicherweise unbekannten Ort B zu kommen. (Ich gehöre übrigens zu jenen Autofahrer die sich die Route der Staus wegen auch bei bekanntem Ziel dynamisch ansagen lassen). Auch im betrieblichen Umfeld ist ein Navigationssystem erforderlich: Eine Standortbestimmung muss genauso her wie eine Zielbeschreibung und eine Landkarte mit der Strategie. Und übrigens: Die Kommunikation in Unternehmen sollte sich dringend von der des Navigationssystems im Auto unterscheiden – und nicht nur in eine Richtung erfolgen.

Ohne strategisches Denken und Handeln ist eine Zukunftssicherung nur schwer vorstellbar. Das strategisch Gewollte und das Gemachte: Zwei verschiedene Dimensionen, die zusammen gehören . Strategie und Umsetzung – eine Führungsaufgabe.

Wie lassen sich hier Brücken schlagen?

Hier bedarf es einer klaren Vorgehensweise. Und dazu gehören auch Kommunikation und Führung. Doch auf diese Themen werde ich in einem späteren Blogpost zurückkommen. Jetzt möchte ich erst einmal mit dem Ausgangspunkt aller Überlegungen beginnen: mit der umfassenden Standortbestimmung.

• Für unternehmensinterne Diskussionen bedarf es einer gesicherten Basis – und dies geht weit über die Buchhaltungs- und Controllingberichte hinaus.
• Aber nicht nur intern, auch für die externe Kommunikation ist eine umfassende, erläuternde und erklärende Bestimmung der Performance, der Ziele, der Strategien und Taktiken ein Muss. Dies gilt im übrigen auch zur Vorbereitung auf die Diskussion mit Banken oder anderen Finanzierern, mit großen Kunden und bedeutenden Lieferanten.

Wie kann eine Standortbestimmung aussehen?

Es bedarf der glasklaren Analyse. Unternehmensstärken und Schwächen müssen transparent gemacht werden.

Ich empfehle folgende Bestandteile:
• Kurzprofil der Industrie sowie der Wettbewerbsstrategie des Unternehmens
Hier geht es um die Beantwortung der Frage an einen Branchenfremden: Wie erkläre ich die Branche, die spezifischen Erfolgsfaktoren etc.
• Fundierte Kennzahlenanalyse (Ertrag, Bilanz, Cash-Flow-Kennzahlen) unter Verwendung von Abschlussdaten (Jahr/Quartal/Monat) und
• Unternehmensausblick

Trivial? Haben Sie das schon alles vorliegen in Ihrem Unternehmen? Auch in einer adäquaten Form? Und wie sieht es mit der hausinternen Kommunikation aus?

Kategorie: Innovation, Liquidität, Strategie Kommentieren »


Kommentar schreiben

Kommentar