Optimismus ist gut, reicht aber nicht

Montag, 29.11.2010 - 18:54 Uhr

„Die Mehrheit der Unternehmen ist optimistisch“ fasst das „Institut der deutschen Wirtschaft“ in der heutigen Presseerklärung die Umfrageergebnisse der Herbstkonjunkturumfrage von mehr als 1800 Unternehmen zusammen. Welch eine Überraschung: Auch die Umfrage des „Instituts der deutschen Wirtschaft“ in Köln signalisiert positive Konjunkturerwartungen: 55% der Unternehmen rechnen 2011 mit einem Produktionszuwachs (9 % erwarten ein Minus), 43 % erhöhen die Investitionsbudget (12 % planen Kürzungen). Dies wird aller Voraussicht nach in den Beschäftigungszahlen einen Niederschlag finden (34 % planen zusätzliche Einstellungen, 11% erwarten einen Personalabbau).

Schon steigt die Erwartung, Deutschland würde zu einer umfassenden Konjunkturlokomotive mutieren. (Siehe hierzu Handelsblatt und Wirtschaftswoche)

Aber auch: Nervosität und Hektik, das ist das eine

Die Themen können schnell drehen, das zeigen wieder einmal Entwicklungen an den Börsen incl. entsprechender Interpretationen und dazugehöriger Nervosität am heutigen Tage.

Weiter Hausaufgaben machen ist das andere

Immer noch heißt es: Hausaufgaben machen. Unternehmen, die in letzter Zeit vorwiegend in operativen Dimensionen gedacht haben, müssen den Nachholbedarf bei der Bewältigung von strategischen Themen angehen. Die positive konjunkturelle Entwicklung überdeckt vermutlich strukturelle Probleme. Diese müssen aber gelöst werden. Also: Stehen die „Change Programme“? Ist die Orientierung für 2011 geschrieben und kommuniziert?
Sind die Projekte aufgesetzt -mit Sinn und Verstand? Wie steht es um Kundenorientierung- Ist diese in der Unternehmenskultur verankert? Prozess- und Produktinnovation: Das ist gemäß einer Analyse der KfW , welch eine Überraschung einer der zentralen Performance Treiber von Unternehmen.

Und ein letztes:

Schwarze Schwäne nicht vergessen.

Zur Vertiefung:
Die Entwicklungen um den Euro werden uns, das scheint gewiss, noch geraume Zeit beschäftigen- Daher eine kurze und aktuelle Liste zur Vertiefung:

1. Für den Euroraum bedarf es eines Krisenmechanismus- dieser ist zu entwickeln, zu diskutieren und politisch durchzusetzen. Thema einer Studie des Ifo-Instituts für die FDP Bundestagsfraktion.

2. Die Entwicklungen um den Euro stehen auf der Analyse und Betrachtungsagenda ganz oben, ungeachtet der konjunkturellen Prognosen und Umfragen, siehe beispielsweise Roland Tichy in der Wirtschaftswoche oder auch den Spiegel Online Artikel von Jens Witte.

3. Die New York Times, suggeriert trotz der Rettungsmaßnahmen für Irland bezüglich des Euros ein gerütteltes Maß an Zweifeln und schreibt „ But the move represents a big gamble that the promise of clarity and stability will outweigh the anxiety of investors weighing the purchase of bonds from the Continent’s weaker economies.“

Kategorie: Change, Weltwirtschaft Kommentieren »

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